Archiv Ausgabe März 2007 Verschiedenes Meldungen

Joe Johnson

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Design und Musik

 
Wenn auf dem Tanzboden möglichst viel Menschen eins werden mit Musik und Ort – gutbürgerlich also: auf dem Höhepunkt der Stimmung – kann es schon mal vorkommen, dass Zeremonienmeister Jonathan B. Johnson bei sich denkt: „Jetzt wäre es doch eine schöne Entscheidung, auf dem Tresen zu stehen und dazu noch Gitarre zu spielen“. Und dann macht er es auch. Zum Beispiels im Carambolage, im Erdbeermund oder in der Stadtmitte. Vielleicht trägt er auch ein Gedicht vor. Denn eindimensionale Kunst ist nicht sein Ding. „Ich möchte auch Vielfalt und Verrücktheit habe“, bekennt er. Das Publikum dafür gibt es - er hat es sich geschaffen unter anderem mit der Reihe „Ghetto Disco“. Johnson braucht keine Weltstadt, Karlsruhe reicht. Für Kunst und Leben.  
Das Leben und der kreative Output des heute 30 jährigen hat sich über die Jahre aus vielen Facetten zusammengeschraubt. Mit einer ursprünglichen Musikbegeisterung ausgestattet, wollte er eigentlich an die Kunstakademie, kam aber über ein Praktikum als Goldschmied zu seiner eigentlichen Berufung: Schmuck. Zunächst arbeitete er in der Industrie, den Schritt in die Selbständigkeit machte er über einen Umweg: Als Booker für die einschlägigen Clubs organisierte er Bands und merkte: das geht. Es kristallisierte sich eine Art ganzheitliches Künstlerdasein heraus. Alles hat mit allem zu tun, alles befruchtet sich gegenseitig. 
Heute macht er Musik (mit der Band Briegel), und heute designed er Schmuckstücke für seine Lieblingsmusiker („ohne Musik kann ich keinen Schmuck machen“). Rocko Schamoni bekommt einen Ring im Stil, den Herr Bankdirektor in den 60er Jahren zu tragen pflegte. Bobby Conn („mein Idol“), der „begnadete Revue-Artist, ein wiedergeborener Punk mit Sinn fürs Abgründige“ (Die ZEIT) hat er bei einem Konzert kennen gelernt und von der Idee begeistert, Schmuck für ihn zu machen. Im Gegenzug bekommt Johnson einen Song des jeweiligen Künstlers. Daraus wird wieder etwas entstehen.  
Schmuck gibt es auch für Angie Reed. Ihr Auftritt ist ein zentraler Punkt eines Abends, den Johnson im März in der leeren Halle des alten Autohauses Zschernitz in der Durlacher Allee mit dem neuen Kulturverein Sonde (www.die-sonde.de“) veranstaltet. Der sich dem Ziel verschreiben hat „gesamtkünstlerische Dinge zusammenzubringen“. Angie Reed ist für diesen Ansatz geradezu exemplarisch: Sie ist Musikerin, Sängerin, arbeitet mit Filmen, in die sie sich selbst als Schauspielerin, Performerin integriert.  
Müsste er Prioritäten setzen, die Rangfolge wäre klar: „Ich habe für mich nie die Berechtigung gesehen, als Musiker Erfolg zu haben. Dazu müsste ich das leben eines Musikers führen.“ Als Musiker sieht er seine Band Briegel (Schrottrock de luxe) eher als gelegentlich auf – und wieder abtauchendes Projekt. „Als DJ bin ich einen Schritt weiter.“ Natürlich wisse er um das grundlegende Handwerkszeug des DJ, „wie kann man Platten mischen – das gehört auch dazu“, aber er bietet dem Publikum einen Soundtrack für den Abend – siehe oben. Und beim Schmuck „da bin ich kompromisslos“. Für Johnson (www.jonathan-b-johnson.com) gehört alles zusammen. Die Stille, die Konzentration, die diese Arbeit erfordert braucht den Ausgleich an den Turntables und auf der Bühne. tz  
> SA, 10.3. Ghetto Disco Special mit Angie Reed, Jonathan B. Johnson, König Saatgut. Ehemaliges Autohaus Zschernitz, Durlacher Allee 66, Karlsruhe