Archiv Ausgabe November 2007 Musik Klassik

Markus Raiser

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Musiklabor in Kirche

Die Evangelische Stadtkirche zu dem machen, was sie vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg einmal war, nämlich zu einem der kulturellen Zentren Karlsruhes - das war Christian-Markus Raisers Ziel, als er vor elf Jahren seinen Job als Kantor und Organist antrat.  
Vor einigen Tagen wurde er zum Kirchenmusikdirektor befördert, was für einen, der Jahrgang 1962 ist, nicht eben selbstverständlich ist. „Bei uns daheim wurde viel Hausmusik gemacht“, erzählt Raiser, er selbst habe „fast alles ausprobiert: Streich-, Blas- und Tasteninstrumente.“ Dass er schließlich bei der Orgel als wichtigstem Instrument gelandet ist, verdankt er der Leidenschaft eines Lehrers.  
Zehn Disziplinen gebe es in der Kirchenmusik, sagt Raiser. Bei seinem Studium in Stuttgart und Trossingen deckte er einen Großteil davon ab. Neben Orgel studierte er Cembalo und Dirigieren und besuchte zahlreiche Meisterkurse. „Eigentlich hätte ich noch ins Ausland gehen und mich mit Theorie beschäftigen sollen“, so Raiser, „aber mir war die Basisarbeit wichtig.“  
Immer habe er „geprobt und aufgeführt“. Die restlichen Disziplinen kamen beim Praktizieren zusammen, so „unterschiedliche Säulen wie Musikmanagement, die Arbeit als Solist oder Gesprächstherapeut für Chormitglieder.“ So wundert es auch nicht, dass der erfahrene Musiker bereits am Tag nach seiner Abschlussprüfung einen Lehrauftrag bekam und selbst Prüfungen abnahm. Es folgten einige Stellen als Kantor und Organist im Schwäbischen, zuletzt bei der Evangelischen Stadtkirche in Stuttgart-Untertürkheim.  
„Am Stadtrand von Stuttgart ließ sich nicht viel auf die Beine stellen“, beantwortet er heute die Frage, weshalb er ins Badische kam. Er bewarb sich 1996 beim Landeskantorat in Freiburg. Beim Bewerbungsgespräch fiel ihm auf die Frage, weshalb er denn von Stuttgart weg wolle, nichts Besseres ein als: „Weil der SC Freiburg besser spielt als der VFB.“ Das hatte nicht nur zur Folge, dass sich die Kommission heillos zerstritt, sondern auch einen Anruf einige Tage später, in Karlsruhe sei eine Stelle frei. 
Heute ist Raiser nicht nur KSC-Fan, sondern hat binnen kurzer Zeit das musikalische Leben der Stadt mitgeprägt.  
Die Leitung des Bachchors konnte er 1996 übernehmen. Trotz einigen Widerstands („es gibt doch schon viele Chöre!“) gründete er 1997 den etwa 30 Sänger umfassenden „CoroPiccolo“, er rief die Neujahrskonzerte ins Leben („Angangs kamen 80 Leute, heute ist bei 700 Besuchern der Sektausschank schwierig“) sowie den Orgelsommer, der im nächsten Jahr zum zehnten Mal stattfindet und inzwischen bundesweites Renomée hat. Angekündigt hat sich unter anderem der niederländische Organist und Dirigent Ton Koopman. 
„Wichtig ist mir der soziale Aspekt“, betont Markus Raiser immer wieder. Mit seinen Chören hat er CDs aufgenommen und gibt trotz deren Größe auch Konzerte in größerer Entfernung . So steht im nächsten Jahr mit dem CoroPiccolo eine Polentournee an. Das gemeinsame Biertrinken gehört für ihn genauso dazu wie andere Unternehmungen in der Freizeit. 
Seine Frau nennt ihn „Workaholic“, er selbst empfindet sich zwar als „Besessener“, spürt aber keinerlei Stress, auch wenn die Liste seiner Aktivitäten noch länger ist. Jüngst hat er einen Knabenchor gegründet, drei von „seinen Jungs“ werden demnächst im Staatstheater bei der „Zauberflöte“ die „Partie der drei Knaben“ mimen. Nachwuchssorgen hat er keine: „Es hat mir bei jedem einzelnen, den ich wegschicken musste, das Herz zerrissen.“  
Es scheint fast selbstverständlich, dass Christian- Markus Raiser selbst komponiert und nebenbei etwa mit Peter Lehel und Peter Schindler Jazz-Crossover-Projekte betreibt. Die Kombination von moderner Klassischer oder alte englischer Musik mit Jazz, „Risikoprojekte“ mit Musik zeitgenössischer Komponisten - „ein Musikerleben reicht nicht aus, um alle guten Stücke aufzuführen.“ 
Der leidenschaftliche Ski- und Radfahrer prägt die Gottesdienste in der Stadtkirche: „Musik kann vieles ausdrücken, was Worte nicht können.“ maske 
 
Termin: 3. November 20 Uhr, Evangelische Stadtkirche. CoroPiccolo. Werke von Christian- Markus Raiser, Arnold Schönberg sowie Saxophonimprovisationen von Peter Lehel kombiniert mit alter englischer Musik