Archiv Ausgabe November 2010 Verschiedenes Herbies Cartoon

Die Deutsche Bahn will ..

Create Folder /var/www/web1109/html/online/images/articles/2010-11/thumbs/
Warning: mkdir(): No such file or directory in /var/www/web1109/html/online/cms_base/data/cms_image.php on line 759
not exist /var/www/web1109/html/online/images/articles/2010-11/thumbs/_300_227_Herbie-bahn2.jpg
...wieder deutsch werden 
 
 
„Thank You For Travelling with Deutsche Bahn“, besser bekannt als „Senk ju vor träveling...“, der freundliche Abschiedsgruß, den die Deutsche Bahn den aussteigenden Gästen mit auf den Weg gab, soll ab sofort in deutschen Zügen seltener zu hören sein und nach Aussage von Bahnchef Grube auf Strecken und Bahnhöfe konzentriert werden, „wo internationale Gäste unterwegs sind“.  
 
Das ist vernünftig, denn nicht selten dürften diese und andere weit umfangreichere Durchsagen ins Leere hineingesprochen worden sein, wenn kein einziger englischsprachiger, des Deutschen unkundiger Gast an Bord war, was nach meiner Beobachtung z. B. auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Stuttgart via (gesprochen „weia“) Pforzheim, Mühlacker und Vaihingen an der Enz öfter vorgekommen sein dürfte. Und selbst wenn sich ein paar ausländische Gäste im Zug befunden haben sollten, die sich von den englischen Durchsagen angesprochen und vielleicht sogar irgendwie geschmeichelt fühlen konnten (man stelle sich einmal vor, wie angenehm berührt man wäre, als deutscher Tourist im Mittleren Westen der USA in Zügen und auf Bahnhöfen mit Lautsprecherdurchsagen in einem drolligen Deutsch empfangen zu werden), dann stellt sich doch die Frage, ob sich die Mühe lohnt, ob die kleine Genugtuung für wenige mit dem Verdruss der meisten Fahrgäste nicht zu teuer bezahlt ist.  
 
Tatsächlich hat das deutsch-englische Gestammel, nachdem der Reiz des Neuen vorbei war, irgendwann zu nerven begonnen, auch wenn es immer noch herzlose Zeitgenossen gibt, die mit Schadenfreude Ohrenzeugen werden, wie sich ein braver Zugführer in den Stricken und Fallen der ihm fremden Sprache verheddert, vor allem, wenn unüberhörbar seine eigentliche Muttersprache Schwäbisch oder Sächsisch ist. Ein perverses Vergnügen, das sich noch steigert, wenn er den Fahrgästen auch noch in Englisch von einem unvorhergesehenen Zwischenfall berichten muss, der den Zug an der Weiterfahrt hindert. Mag der Zug auch stehen, der, der ihn fahren soll, kommt dabei mächtig ins Schleudern. Das ist eigentlich kein schönes Schau(Hör)spiel. Was hat der gute Mann verbrochen, dass ihm sein Traumberuf Lokführer derart verleidet wird, dass er auf einmal den mehrsprachigen Reiseführer spielen muss, wo er doch nichts anderes im Sinn hatte als einen Zug unfallfrei von A nach B zu bringen´  
 
Und das alles nur, weil der Arbeitgeber auf einmal als Weltunternehmen firmieren und auch sprachlich den Global Player mimen wollte. Allein dafür hätten es die schwer geprüften Lokführer verdient mehr zu verdienen. Aber das Leiden hat ja nun für viele ein Ende. Für die Routen, auf denen internationale Gäste zu erwarten sind, empfehle ich die Hinzuziehung von Zugführern, die den Bachelor (Bätschelär) in Anglistik vorweisen können. So demonstriert man Weltniveau auf deutschen Gleisen. Obwohl die Bahn sich nun schon seit einiger Zeit bemüht in Sachen Denglisch abzuspecken und für die Kundschaft im eigenen Lande verständlicher zu werden, hat es bekanntlich mit der Vermittlung des Bahnprojekts Stuttgart 21 nicht ganz geklappt.  
 
Ich bezweifle mal, dass es daran lag, dass Bahnchef Grube des Schwäbischen nicht mächtig ist. (Nein, ich mache hier nicht die naheliegenden Scherze mit Redensarten wie „Wir können alles außer Schwäbisch“ oder „Ich verstehe nur Bahnhof!“ uvm).  
 
Aber auch, wenn ich mir in diesem Fall einfach mal erlaube keine Meinung zu haben, weil ich selbst zwischen Pro und Kontra hin- und her gerissen bin, finde ich es schon seltsam, dass sich an einem Gebäude, das im Ersten Weltkrieg gebaut wurde und nach außen hin den abweisenden Charakter einer Trutzburg hat, so viele Emotionen entzünden. Es ist auch gar nicht meine Hauptsorge, ob ich in Stuttgart nun oberirdisch oder unterirdisch ankomme, sondern ob ich überhaupt noch einen Zug rechtzeitig mit einem gültigen Fahrausweis besteigen kann. Denn schon wieder hat die Bahn ihre Automaten umgestellt. Nachdem es mir gerade gelungen ist, das alte System zu kapieren und einigermaßen zügig an meine Fahrkarte zu kommen, erwartet mich schon wieder ein undurchsichtiges Frage- und Antwortspiel, bei dem die Frage, ob ich Bonipunkte sammeln will, wie ein Running Gag in schöner Regelmäßigkeit auftaucht.  
 
Nein, ich sammle keine Bonipunkte, ich möchte einfach nur nach Stuttgart und zurück. Und dafür möchte ich mich auch nicht an den Servicepoint anstellen, selbst wenn der wieder Fahrkartenschalter heißen sollte, um dann festzustellen, dass ich hinter einem Kunden stehe, der die ratlose Dienstleisterin hinter dem Tresen mit Fragen nach einer besonders ausgefallenen Verbindung und einem supergünstigen Sondertarif von einer Verlegenheit in die andere bringt, bis mein Zug abgefahren ist. Ja, ich weiß, där ar diffährent kainds of tickets.  
 
Der Bahnverantwortlichen aber möchte ich zurufen: Simply your Life, ihr Simpel, es ist so schon kompliziert genug.