Archiv Ausgabe Januar 2014 Verschiedenes Herbies Cartoon

Dr. Mabuse: Helden ohne Eier

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Ja, wo laufen sie denn? So wie es aussieht liegt in Sachen Infrastruktur einiges im Argen in Mittelerde. Über kaum ausgebaute und völlig ungesicherte Gebirgspässe, durch undurchsichtige Zauberwälder, in denen noch kein Wanderverein gewirkt und zum Beispiel für eine übersichtliche Beschilderung der noch zu realisierenden Wanderwege gesorgt hat, und über einen riesigen See, dessen Fährverbindungen zu wünschen übriglassen, bewegen sich die Zwerge in Teil II von Peter Jacksons Hobbit-Trilogie, deren zweiten Teil nun schon seit ein paar Wochen die Kinogänger und vor allem aber die Kinobetreiber beglückt, schließlich garantieren die Zwerge riesenhafte Umsätze - und das auch noch mit zuschlagpflichtiger Überlänge und in Sonderformaten wie 3 D und Imax 3 D, für die man an der Kinokasse gleich nochmal etwas tiefer in die Tasche greifen darf.  
 
Was bekommt man nun dafür geboten: Pittoreske Landschaften, drollige Helden, hieb- und stichfeste Elben und Bösewichter, denen ihre Bosheit ins Gesicht geschrieben steht. Orks heißen die Schurken mit den furchterregenden Fressen, die immer wieder den Zwergen ans Leben wollen und dabei immer wieder verlustreich auf die hässliche Schnauze fallen, falls ihnen nicht gleich der ganze Kopf abgeschnitten wird. Aber macht nichts, es gibt mehr als genug davon und so kann man sicher sein, dass sie auch nochmal im dritten Teil in Erscheinung treten, mit denselben Erfolg wie in den beiden Teilen zuvor, denn so viel steht fest. Die Hobbits sind ganz im Gegensatz zu den Orks nicht kaputt zu kriegen. Und da stellt sich dann schon die Frage, welche Funktion den Orks im Gesamtzusammenhang der Trilogie zukommt? Die Antwort ist richtig: Ihre ständigen vergeblichen Attacken sind nur dazu da Action für die Computerspiel-Fraktion zu liefern und die ganze Sache auf die erforderliche epische Länge zu strecken, denn der Brühwürfel, mit dem Peter Jackson da seine Suppe kocht- und damit ist die Buchvorlage von Tolkien gemeint – reicht doch gerade mal, um im schiefen Bild zu bleiben, für ein Abendessen und nicht für ein Menü in drei Gängen.  
 
Also hat sich der Meister noch ein paar Extras einfallen lassen, um über die Runden zu kommen, zum Beispiel die kämpferische Elfe Tauriel, die einen Hauch von Weiblichkeit und damit auch die Andeutung einer Liebesgeschichte ins jugendfreie Spiel bringt. Das ist weder im Sinne des prüden Katholiken Tolkien noch im Geiste des Genres. Sexualität ist die No Go-Area der modernen Fantasy-Literatur. Die Hobbits mögen mit allen möglichen Waffen und Werkzeugen umgehen, dass sie Gebrauch von ihren Geschlechtswerkzeugen machen, kann und mag man sich nicht vorstellen. Was sie sonst so treiben, das Böse bekämpfen, Schätze suchen, Abenteuer erleben, das entspricht der Vorstellungswelt von Knaben vor der Pubertät, die noch nicht entdeckt haben, dass sie das aufregendste Spielzeug stets bei sich in der Hose stecken haben. Die Hobbits beim Geschlechtsverkehr- das ist so undenkbar wie ein wichsender Harry Potter, der unmännlichste Kino- und Romanheld der letzten Jahre. Untere Extremitäten haben die Fantasyhelden sehr wohl, sonst könnten sie ja nicht hohe Berge erklimmen und finstere Wälder durchqueren, aber einen Unterleib haben sie nicht, sie sind Ausgeburten einer kastrierten Fantasie, die sich zwar in allen möglichen Formen und Farben ausmalt, wie man jemanden vom Leben zum Tode bringen kann, für die aber der Akt, der der Erzeugung von Leben dient, ein immerwährender blinder Fleck ist. Daran ändert auch eine hochgeschlossen agierende Elfe nicht, die im Vorübergehen geschmeidig ein Dutzende Orks metzelt, deren weibliche Pendants man glücklicherweise nie zu Gesicht bekommt.  
 
Aber in einer geschlechtslosen Welt muss man die Sache mit den beiden Geschlechtern ja auch nicht so ernst nehmen. Und vielleicht liegt darin auch schon die Erklärung für den Reiz, den die Abenteuer der Hobbits auch auf Erwachsene ausüben. Auf Mittelerde sind die wahren Probleme unserer Zeit weit weg, Beziehungsprobleme inklusive. Die Realität simulierenden neuen Aufnahme- und Produktionstechniken in den 3 D-Formaten sind nur dazu da den Zuschauer noch stärker in eine Welt hineinzuziehen, die mit unserer Realität rein gar nichts zu tun hat. Die meldet sich schon früh genug zurück, wenn die 160 Filmminuten vorbei sind, und man wieder hinaus ins feindliche Leben hinaustritt, das einem aber – das muss man ihm lassen – in optimaler 3 D-Qualität entgegenkommt. Ja, kann man sich sogar darin bewegen, man kann die Dinge anfassen, riechen, schmecken. Nach dem Ausflug nach Mittelerde hat uns die Erde wieder mit allen Sinnen und voller Blase.